hier erscheinen, je nach Situation, immer mal wieder Stellungnahmen, Aufrufe und Hinweise des Fanclubsprecherrates, des Fanladens und des ständigen Fanausschusses.
*Hamburg, 26-07-2010
*Hamburg, 22.04.2010
*Hamburg, 01.04.2010
Stellungnahme des Fanladen St. Pauli zu den Ereignissen vor dem Spiel gegen den FC Hansa Rostock in der Südkurve
Wir wollen als Fanladen St. Pauli, der Anlaufstelle für ALLE St. Pauli-Fans, zu einer Versachlichung der sehr emotionalisiert geführten Debatte beitragen und haben uns aufgrund dessen entschlossen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen.
Die Mitarbeiter des Fanladens waren während der Blockade vor allem rund um den „Fanladen-Kiosk“ tätig. Nach unserem Eindruck war es in diesem Bereich so, dass es zwar eng war, allerdings nicht enger als auf einer Stehplatztribüne selbst. Man konnte problemlos zurück zur Treppe gehen, wo sich eine räumliche Entspannung zeigte und kam mit etwas Mühe auch zur Mitte hin durch. Das einige Fans, wie etwa Kinder oder auch ältere Menschen diese Situation wesentlich unangenehmer deuteten, können wir absolut nachvollziehen. Wir wollen niemanden seine Gefühlslage absprechen, konnten aber die erwähnte Gefahr für Leib und Leben bei der Mehrheit der Fans nicht ausmachen.
Es kam zu vereinzelten Pöbeleien (vor allem direkt gegen USP), aber auch gegen Mitarbeiter des Fanladens. Über den Tonfall und die Art und Weise wie diese geäußert wurden, sind wir bis jetzt erstaunt und erschrocken, wir sind unter St. Pauli-Fans eine völlig andere, respektvollere Umgehensweise gewohnt. Rassistische und homophobe Pöbeleien disqualifizieren sich selbst, ebenso der Aufruf zum Denunziantentum, Faschismusvergleiche oder die Polizei einschalten zu wollen, wenn es darum geht UNSERE Probleme zu lösen.
Wir hatten den Protest-Flyer unterschrieben und finden den Protest für Fanrechte auch weiterhin angebracht und wichtig. Bei all dem Unmut darf dieses Thema keineswegs in Vergessenheit geraten. Die Umsetzung dieses Protestes muss aber intern aufgearbeitet werden. Da sind sowohl die Blockierer, die Pöbler, der Verein und auch wir als „vermittelnde Instanz“, sprich WIR ALLE gefordert. Niemand anders wird uns dieses Problem abnehmen. Diese Aufarbeitung muss ehrlich, ohne Vorbehalte, ergebnisoffen und direkt verlaufen. Eine Stigmatisierung über etwaige Medien ist unserer Ansicht wenig förderlich. Wir wollen auch niemand eine Meinung aufdrücken. Denn INHALTLICHE Kritik und Diskussionen sind gut und wichtig. Es wäre wünschenswert gewesen, dass diese Aufarbeitung von Beginn an intern läuft und man dann ggf. gemeinsam an die Öffentlichkeit geht. Dass jetzt schon Privilegienentzug und harte Konsequenzen öffentlich gefordert werden, bevor eine Stellungnahme vorliegt, finden wir befremdlich.
Zum Schluss möchten wir darauf hinweisen, dass wir die vielfach beschriebene Spaltung der Fanszene als Gefahr sehen. Wir hoffen inständig, dass es zu einem Prozess kommt, indem zielorientiert erarbeitet wird, wie es ein weiteres Zusammenspiel mit JEDER Art des St. Pauli Fan sein geben kann. Niemand hat unserer Ansicht das Recht zu selektieren, wer mehr und wer weniger St. Pauli Fan ist oder vermeintlich nicht hier hin gehört.
United we stand – divided we fall! Forza St. Pauli!
Euer Fanladen!
*Hamburg, 31.03.2010
Stellungnahme des FCSR zum letzten Heimspiel
Liebe offizielle Fanclubs,
nach den Ereignissen, die am Sonntag im Bereich der Südkurve passiert sind, sitzen wir nun zusammen und sind erschlagen von den Eindrücken, die wir dort teilweise persönlich miterlebt haben. Uns tut es leid, wie sich die Situation entwickelt hat.
Als wir 2008 uns zur Wahl des Sprecherrats gestellt haben, haben wir dies – neben der verwaltenden Tätigkeit – auch immer als Auftrag zur Einmischung gesehen. Wir wollten die Werte, die unseren FC Sankt Pauli seit nunmehr 25 Jahren ausmachen, wahren und weiterentwickeln. Wir wollten diesen “anderen Verein” mitgestalten und Missstände aufzeigen, so wie das der Fanclubsprecherrat seit seiner Gründung schon getan hat.
So wurde beispielsweise unter großer Anteilnahme der Millerntaler verhindert, der mögliche Verkauf des Stadionnamens gestoppt und auch als es um die neuen Anstoßzeiten ging wurden viele Proteste dagegen von Sankt Paulianern initiiert. Das waren und sind alles Dinge, die neben vielen anderen Selbstverständlichkeiten in der Tradition der Sankt Pauli-Fans liegen, die Ende der 80er-Jahre ihre Vorstellung von Fußball und einem Stadionbesuch durchsetzten und damit Vorbild für viele Fanszenen in Europa wurden und immer noch sind.
Für uns als euer Sprecherrat war es daher auch eine Selbstverständlichkeit gegen eine Aussperrung von Gästefans vorzugehen, da wir auch immer noch der Meinung sind, dass dies uns alle betrifft. Im Ständigen Fanausschuss – in welchem sich die aktiven Gruppen des FC Sankt Pauli regelmäßig treffen – wurden verschiedene Möglichkeiten dagegen vorzugehen erörtert. Die Gespräche, die mit dem Präsidium geführt wurden, haben sich mittlerweile leider als reine Zeitverschwendung hervorgetan.
Neben dem Fanladen, Ultrà Sankt Pauli und 18 offiziellen Fanclubs, haben wir – in eurem Namen – den Boykottflyer unterschrieben. Wir haben darauf dazu aufgerufen, Protestformen zu entwickeln und durchzuführen. Wie wir alle wissen wurden unter anderem am Sonntag die Eingänge blockiert und es entstand großer Unmut über die Art und Weise des Protestes.
Wir sehen uns euch gegenüber in der Pflicht, unsere Meinung zu den Vorkommnissen darzulegen. Wir sind der Meinung, dass die von den Blockierern gewählte Form des Protestes die richtige war, um auf die “offene Tür”, die alle Fußballfans betrifft, aufmerksam zu machen. Was wir allerdings bemängeln, ist die Durchführung und die mangelnde Kommunikation zum einen sowie das Verhalten zwischen den Blockierern und den restlichen Südkurvenbewohnern zum anderen. Man hätte im Vorfeld – und vor allem vor dem Stadion – schon darauf hinweisen und für Verständnis werben müssen, dass die Kurve für 5 Minuten blockiert wird. Das hätte dazu beigetragen, dass viel weniger Menschen sich im Umlauf aufhalten und vielleicht auch für mehr Solidarität unter den Fans gesorgt. Sicherlich hätte es auch noch andere Möglichkeiten gegeben, die Situation zu entspannen. Diesen Schuh müssen sich unserer Meinung nach alle – ob aktiv oder passiv mitgewirkt – an der Blockade Beteiligten anziehen.
Dass sich dann allerdings Sankt Paulianer mit Sankt Paulianern hauen und sich anspucken, ist außerhalb jeglicher Vorstellungskraft und ein nicht hinnehmbarer Zustand, der so nie wieder vorkommen darf. Was wir auch definitiv nicht akzeptieren sind homophobe und rassistische Sprüche. Wir hätten es nie für möglich gehalten, dass am Millerntor andere Menschen als “Schwuchtel”, “Fotze”, “Nigger” und anderem bezeichnet werden dürfen, ohne dass dagegen vorgegangen wird. Auch hier sind wir wohl mittlerweile ein Verein wie jeder andere.
Es wurde der Solidaritätswillen der Fans auf der Südtribüne überschätzt und ein Bild nach außen getragen, welches faktisch am Millerntor so nicht (mehr) existiert: Ein von vielen getragener Protest gegen die Einschränkung von Fanrechten und der Zerstörung der Fankultur. Medial ist also ein Bild entstanden, das nur unter Zwang entstehen konnte. Das war politisch falsch. Die Auseinandersetzung mit der eigentlichen Problematik findet dadurch nicht mehr statt
In der nun sehr hitzig geführten Diskussion wird die alleinige Schuld Ultrà Sankt Pauli gegeben. Wir haben uns bewusst für die Bezeichnung “Blockierer” entschieden, da wir wissen, dass neben USPlern auch viele Mitglieder aus Fanclubs sich an der Blockade beteiligt haben. Wir wollen und können daher auch nicht akzeptieren, dass eine einzelne Fangruppe durchs “Dorf getrieben” wird.
no retreat!
Euer FCSR
*Hamburg, 24.03.2010
Stellungnahme des Ständigen Fan-Ausschuss FC St. Pauli
Am Montag dieser Woche fand auf Einladung des Präsidiums des FC St. Pauli ein Gespräch zwischen Vereinsführung und Vertretern der organisierten Fanszene statt. Mit Bedauern mussten wir feststellen, dass die seit Wochen laufende Diskussion um dieses Thema und die vielfältigen Gegenargumente von Fanseite beim Präsidium keine Verhaltensänderung bewirkt haben. Die ursprünglich in Aussicht gestellten rechtlichen Schritte gegen die polizeiliche Verfügung zur Beschränkung des Gästekontingentes für die Fans von Hansa Rostock wird das Präsidium nicht einleiten.
Wir finden es sehr bedauerlich, gerade auch für die Mannschaft, dass das Verhalten des Präsidiums nun die sportlich wichtigen Wochen im Kampf um den Aufstieg überschattet. Dennoch steht für uns die grundsätzliche Frage der Einschränkung elementarer Fanrechte im Vordergrund. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Einschränkungen von Gästekontingenten eben keine seltenen Ausnahmen bleiben, wie das Präsidium gerne betont, sondern von Verband und Polizei zu einem immer leichter zu nutzenden Instrument gegen Fans aufgebaut werden. Gerade der FC St. Pauli, der sich öffentlich als "non established" vermarktet, darf sich nicht als Wegbereiter für den Ausschluss von Gästefans betätigen.
Wir fordern dazu auf, kreative Protestformen zu entwickeln, sich an geplanten Aktionen am Spieltag zu beteiligen und das Thema sowohl in die öffentliche als auch vereinsinterne Diskussion zu bringen.
Hamburg, 24.03.2010
Ständiger Fanausschuss des FC St. Pauli
* Hamburg, 17.03.2010
der ständige Fanausschuß zum Spiel gegen Hansa nimmt Stellung:
Stellungnahme des Ständigen Fanausschusses zur Reduzierung des Gästekartenkontingentes für das Spiel FC St. Pauli gegen Hansa Rostock
Wir als Ständiger Fanausschuss, dem Zusammenschluss aktiver Fangruppen des FC St. Pauli, nehmen zu den Vorgängen um die Entscheidung zur Reduzierung des Kartenkontingentes für die Anhänger des FC Hansa Rostock und die entsprechende Pressemitteilung des FC St. Pauli wie folgt Stellung:
Nachdem der Ständige Fanausschuss von einem Antrag des Präsidiums des FC St. Pauli an die DFL Kenntnis erlangt hat, keine bzw. hilfsweise 500 Gästefans aus Rostock zuzulassen, und diese Antragstellung von der DFL bestätigt wurde, kam es auf unsere Initiative hin zu einem Gespräch zwischen Vertretern der organisierten Fanszene und dem Präsidium des FC St. Pauli. In diesem Gespräch wurde fanseitig eindringlich auf die Türöffnerfunktion für künftiges restriktives Vorgehen bei der Kartenvergabe für Auswärtsspiele hingewiesen. Daraufhin wurde ein Kompromiss gefunden, welcher einen Dialog mit Vertretern von Hansa Rostock mit dem Ziel eines friedlichen Spieles bei gleichzeitiger Abkehr von einer Reduzierung des Gästekontingentes vorsah.
Dieses Gespräch fand am 9. März unter Beteiligung der Vereinsführungen, Fanprojekte sowie von Vertretern der Fans beider Vereine statt. Ergebnis des Gesprächs war ein von allen Beteiligten getragener Kompromiss, welcher neben konkreten Regelungen zur An- und Abreise u.a. ein Gästekontingent von 1.400 Karten vorsah. Explizit angekündigt wurde vom Präsidium des FC St. Pauli, mit juristischen Mitteln gegen einen drohenden Ausschluss der Gästefans vorzugehen.
Mit großer Verwunderung mussten wir am Montag zur Kenntnis nehmen, dass das Präsidium des FC St. Pauli von dieser gemeinsam getroffenen Entscheidung abgerückt ist und sich stattdessen in einem „einvernehmlichen Gespräch“ mit der Hamburger Polizeiführung auf eine abweichende Regelung geeinigt hat: Statt der gemeinsam vereinbarten 1.400 Gästekarten sollen nunmehr nur noch 500 Karten verkauft werden, und auch diese nur nach Vorlage eines Personaldokumentes. Es ist nicht hinnehmbar, dass auf Druck der Hamburger Polizei von der mit der eigenen Fanszene und Vertretern des FC Hansa Rostock gemeinsam getroffenen Vereinbarung abgewichen wird. Geradezu skandalös ist es, eine solche Regelung noch als „weitestgehend mögliche Wahrung von Fanrechten“ zu bezeichnen.
Wir fordern das Präsidium des FC St. Pauli auf, unverzüglich zur gemeinsam beschlossenen Linie zurückzukehren und alle erforderlichen Rechtsmittel gegen die polizeiliche Verfügung einlegen.
Andernfalls werden wir auf verschiedenen Wegen deutlich machen, dass wir diese massive Einschränkung elementarer Fanrechte nicht unwidersprochen hinnehmen.
Hamburg, 17.03.2010
Ständiger Fanausschuss des FC St. Pauli
hier gehts zum fanladen:
der fanclubsprecherrat: